Start Nicht kategorisiert Windlast-Rechner DIN EN 1991-1-4 (Eurocode 1)

Windlast-Rechner DIN EN 1991-1-4 (Eurocode 1)

Windlast nach DIN EN 1991-1-4 (Eurocode 1) für Wand und Bauteile: Geschwindigkeitsdruck q_p, Außendruckbeiwerte cpe für Bereiche A/B/C/D/E, Innendruck w_i. Eingabe Windzone 1-4 + Geländekategorie I-IV + Gebäudegeometrie.

Windzone & Gelände

Direkte Methode nach DIN EN 1991-1-4 §4.5: qp = (1 + 7·Iv) · ½ · ρ · vm². Annahmen: co = 1 (Ebene / leichtes Gelände, keine Hügelumströmung), kl = 1 (Standardturbulenz). Für Hügel-, Bergkamm- oder Kliffslagen ist eine gesonderte Berechnung von co(z) erforderlich (§4.3.3 + Anhang A.3).

Gebäudegeometrie

m
m
m
b und d beziehen sich auf die betrachtete Windrichtung. Bei rechteckigen Grundrissen beide Hauptrichtungen prüfen (Werte tauschen).
m
Für h ≤ b: ze = h (eine Bezugshöhe). Für h > b: in Streifen zerlegen — Eingabe bei Bedarf erhöhen.
Geschwindigkeitsdruck qp(ze)
kN/m²
vm: m/s ce(ze): Iv: e: m h/d:

Wandbereiche A / B / C / D / E (DIN EN 1991-1-4 §7.2.2)

BereichLagecpe,10we (kN/m²)we+wi,+we+wi,−
Innendruck wi: default cpi=±0,2 (DIN EN 1991-1-4 §7.2.9 NA, Standard für unbekannte Öffnungssituation). Beide Vorzeichen sind ungünstigster Fall jeweils zu prüfen. Override im Block „Innendruck“ unten.
Skizze Top-View: Bereiche A (Eckzone Sog), B (mittlerer Wandbereich Sog), C (Lee-Bereich nur wenn d>e). D = Luvseite (Druck), E = Leeseite (Sog). e = min(b, 2h).

Bemessungs-Einordnung

Innendruck cpi — Override
Nach §7.2.9 ist die ungünstigste Kombination aus cpe und cpi bemessungsmaßgebend.
Berechnungsdetails — Profilfaktoren & Tabelle 7.1
GrößeWertQuelle
Basisgeschwindigkeit vb,0 m/sNA Tab. NA.A.1 (Zone)
Basis-Geschwindigkeitsdruck qb kN/m²0,5·1,25·vb²
Rauhigkeitslänge z0 mTab. 4.1 (GK)
zmin mTab. 4.1 (GK)
Geländerauhigkeitsfaktor krTab. 4.1 (GK)
ze,eff = max(ze, zmin) m§4.3.2
cr(z) = kr·ln(ze,eff/z0)§4.3.2 (4.4)
vm(z) = cr·co·vb (co=1) m/s§4.3.1 (4.3)
Iv(z) = 1 / ln(ze,eff/z0)§4.4 (4.7)
qp(z) = (1+7·Iv)·0,5·ρ·vm² kN/m²§4.5 (4.8); ρ=1,25 kg/m³
ce(z) = qp / qbNA.B

Tab. 7.1 cpe,10 wird live nach h/d ausgewertet (lineare Interpolation in Bereich D und E zwischen h/d=1 und h/d=5; A/B/C konstant).

Windzonen in Deutschland

Die Basisgeschwindigkeit vb,0 hängt allein von der Windzone ab. Die maßgebende Karte steht in DIN EN 1991-1-4/NA Anhang A; PLZ-Listen sind nicht normativ.

Zone vb,0 qb Typische Regionen
1 22,5 m/s 0,32 kN/m² Süddeutsche Alpen-Vorberge, Teile Bayerns und BW (Binnenland)
2 25,0 m/s 0,39 kN/m² NRW, Hessen, Berlin, Sachsen, Thüringen, Mittellandsregionen
3 27,5 m/s 0,47 kN/m² Niedersachsen Nord, MV-Binnenland, Schleswig-Holstein
4 30,0 m/s 0,56 kN/m² Nord- und Ostseeküste, Helgoland, Inseln

Geländekategorien I–IV (Tab. 4.1)

I — offene See, Küste, Seen ab 5 km (z0=0,01 m)
Höchste Lasten, keine Hindernisse.
II — landwirtschaftliches Gebiet, vereinzelte Bäume (z0=0,05 m)
Standardansatz für freie EFH-Lagen am Ortsrand.
III — Vororte, Industrie, Wald (z0=0,30 m)
Häufigster Fall für Wohngebiete.
IV — Stadtgebiete mit ≥ 15 % Gebäudefläche, mittlere Höhe ≥ 15 m (z0=1,00 m)
Innenstadt, dichte Wohnblöcke; bremsende Wirkung der Bebauung.

qb oder qp? — der häufigste Praxis-Fehler

qb ist nur der Basis-Geschwindigkeitsdruck aus der Windzone. Bemessen wird mit dem Spitzen-Geschwindigkeitsdruck qp(ze): ce(z) = qp/qb liegt je nach Geländekategorie und Bezugshöhe zwischen ca. 1,4 und 3,0. Wer mit qb rechnet, unterschätzt die Last oft um Faktor 2.

Wandbereiche A–E (Tab. 7.1)

Eine Wand bekommt nicht einen einzigen cpe-Wert. Sog konzentriert sich am Eckbereich:

  • A — Eckzone, Breite e/5 ab Luv-Ecke. cpe,10 = −1,2. Hier reißen Vordach-Befestigungen, Plattenränder und Eindeckungen am häufigsten.
  • B — Wandbereich bis e. cpe,10 = −0,8.
  • C — Restwand jenseits e (nur wenn d > e). cpe,10 = −0,5.
  • D — Luvseite. cpe,10 = +0,7…+0,8 (Druck).
  • E — Leeseite. cpe,10 = −0,3…−0,7 je nach h/d (Sog).

e = min(b, 2h). Beim 10/10-EFH ist e = 10 m, der A-Streifen 2 m breit ab jeder Eck-Ecke.

Worked Example — EFH Berlin (Z2, GK III)

h = 10 m, b = 10 m (quer Wind), d = 8 m, ze = 10 m, cpi = ±0,2:

  • qp(10) = 0,70 kN/m² (ce ≈ 1,78)
  • e = 10, h/d = 1,25 → cpe,D = +0,80; cpe,A = −1,20
  • we,D = +0,56 kN/m² (Druck Luvwand)
  • we,A = −0,84 kN/m² (Sog Eckzone)
  • Maßgebend Eckzone A inkl. wi: 0,98 kN/m²

An dieser Eckzone muss eine Vordach-Verankerung pro m² rund 1,0 kN Sog aufnehmen — M10 in Beton meist ausreichend, in Hochlochziegel ist chemischer Anker nötig.

Häufige Fehler

  • qb statt qp: Tabellenwert direkt als Bemessungslast — Faktor 2 zu klein.
  • Ein cpe für die ganze Wand: Eckzone A unterdimensioniert; dort fliegen Bauteile zuerst weg.
  • wi vergessen: Carport mit offenem Tor → cpi bis ±0,5; Bemessung verdoppelt sich gegen we-only.
  • ze = h für hohe schlanke Gebäude (h > b): Eurocode verlangt Streifen-Aufteilung.
  • Geländekategorie zu hoch: EFH am Stadtrand ist meist GK II/III, nicht IV. Im Zweifel niedrigere Kategorie (mehr Last → konservativ).

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