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Schneelast-Rechner nach PLZ und Schneelastzone

Charakteristische Schneelast s_k und Bemessungs-Schneelast s nach DIN EN 1991-1-3 und NA-DE. Eingabe per PLZ-Heuristik oder Schneelastzone, mit Höhe ü. NN, Dachform und Dachneigung.

Bemessungs-Schneelast s auf Dach
0,85 kN/m²
entspricht 87 kg/m² (DIN EN 1991-1-3, Ce=Ct=1,0)
Charakteristisch sk (Boden)
0,85 kN/m²
Formbeiwert μ1 (gleichförmig)
0,80
μ2 (unsymmetrisch, Lee)
0,80
Zonen-Mindestwert
0,85 kN/m²
Schnee-Verteilung auf Dach
Erweiterte Einstellungen (Umgebung, Wärmedurchgang)
s = μ1 · Ce · Ct · sk
Schneelastzonen DE — Mindestwerte und Formel
Zonesk,minFormel sk(A)
10,650,19 + 0,91 · ((A+140)/760)²
1a0,811,25 · [0,19 + 0,91 · ((A+140)/760)²]
20,850,25 + 1,91 · ((A+140)/760)²
2a1,061,25 · [0,25 + 1,91 · ((A+140)/760)²]
31,100,31 + 2,91 · ((A+140)/760)²

A = Geländehöhe über NN in m. Es gilt jeweils der größere Wert von Formel und Mindestwert.

Formbeiwert μ1(α) — DIN EN 1991-1-3 Tab. 5.2
Dachneigung αμ1
0° ≤ α ≤ 30°0,80
30° < α < 60°0,80 · (60° − α) / 30°
α ≥ 60°0 (kein Schnee, wenn unbehindert abrutschend)

Bei Schneefangsystemen / Brüstung / Aufkantung gilt μ1 = 0,8 unabhängig von α. Bei Sattel-/Walmdach gilt zusätzlich der unsymmetrische Lastfall mit μ2 auf einer Seite (Tab. 5.4 NA-DE).

Schneelast nach DIN EN 1991-1-3 — Was wirklich aufs Dach kommt

Die charakteristische Schneelast sk auf dem Boden ist kein fester Wert pro Bundesland, sondern hängt von Zone und Geländehöhe ü. NN ab. Bayern reicht von Zone 2 (Nürnberg, ca. 0,85 kN/m²) bis Zone 3 mit sk über 4 kN/m² in Garmisch-Partenkirchen. Wer die Faustformel „Bayern = 0,85 kN/m²“ benutzt, unterschätzt die Last in höheren Lagen leicht um Faktor 4.

Beispielrechnung: Einfamilienhaus München, Satteldach 35°

  1. Standort: München, Geländehöhe A = 519 m ü. NN, Schneelastzone 2.
  2. Mindestwert Zone 2: sk,min = 0,85 kN/m².
  3. Höhenformel: sk = 0,25 + 1,91 · ((519 + 140) / 760)² = 0,25 + 1,91 · 0,752 = 1,69 kN/m².
  4. Es gilt der größere Wert → sk = 1,69 kN/m² (formelbestimmt, nicht Mindestwert).
  5. Formbeiwert für 35°: μ1 = 0,8 · (60 − 35) / 30 = 0,667.
  6. Bemessungs-Schneelast: s = μ1 · Ce · Ct · sk = 0,667 · 1,0 · 1,0 · 1,69 = 1,13 kN/m² (≈ 115 kg/m²).

Diese Bemessungs-Schneelast geht direkt in die Eurocode-5-Lastkombination für die statische Bemessung des Sparrenquerschnitts ein, gemeinsam mit Eigenlast Dachaufbau und Wind. Für die Dachfläche multipliziert mit der Dachgrundfläche aus dem Dachflächen-Rechner ergibt sich die Gesamtschneelast für die Auflagerreaktion.

Häufige Irrtümer in der Praxis

„Zone 1a = Zone 1 + 1, also Zone 2“
Falsch. Zone 1a ist nicht „eine Zone höher“, sondern der 1,25-fache Wert von Zone 1 bei gleicher Höhenformel. Mindestwert 0,81 kN/m² (= 1,25 · 0,65), nicht 0,85 wie Zone 2. Gleiche Logik für 2a (1,25 · Zone 2).
„Steile Dächer brauchen keine Schneelast“
Stimmt nur, wenn Schnee unbehindert abrutschen kann. Mit Schneefangsystem, Brüstung, Aufkantung oder Solarmodul gilt μ1 = 0,8 unabhängig von der Dachneigung. Die lineare Reduktion 0,8·(60−α)/30 setzt freies Abrutschen voraus.
„Norddeutsche Tiefebene = Zone 1, fertig“
In der NDT (Berlin, Brandenburg, MV, Hamburg, Bremen, Niedersachsen-Tiefland, Schleswig-Holstein) ist zusätzlich eine außergewöhnliche Bemessungssituation sAd = 2,3 · sk nachzuweisen (NA-DE Anhang B). Bei Hallendächern und Solar-Aufständerungen relevant.
„Höhe über NN gilt erst ab 1000 m“
Falsch. Die Höhenformel sk(A) gilt ab 0 m. Bereits bei 300 m NN in Zone 2 ergibt die Formel 0,87 kN/m² — knapp über dem Mindestwert. Ab ca. 285 m NN in Zone 2 wird der Mindestwert irrelevant, die Formel ist maßgebend.

Form-Beiwerte μ1 und μ2 nach Dachform

Bei Pultdach wirkt μ1 auf die gesamte Dachfläche. Beim Satteldach existiert zusätzlich der unsymmetrische Lastfall (Wind verfrachtet Schnee auf eine Seite): Windseite 0,5 · μ1, Lee-Seite 1,0 · μ1 nach Tab. 5.4 NA-DE. Walmdach wird analog Sattel behandelt, mit zusätzlichen Eckschnee-Aufschlägen bei Bedarf. Flachdächer (α ≤ 5°) bekommen volle μ1 = 0,8, bei beheiztem Glasdach mit U > 1 W/(m²·K) reduziert Ct auf 0,8 (Nachweis erforderlich).

Geltungsbereich

DIN EN 1991-1-3/NA gilt für Geländehöhen bis 1500 m ü. NN. Darüber (Hoch-Allgäu, Berchtesgadener Alpen) sind Sondernachweise mit der zuständigen Bauaufsicht oder dem örtlichen Wetterdienst erforderlich — die Höhenformel würde dort auf physikalisch unrealistische Werte hochskalieren.

Verwandte Themen für die Statik-Vordimensionierung: Sparrenmaß über die geometrische Sparrenlänge bei Dachneigung, U-Wert-Nachweis für die Dachkonstruktion über den U-Wert-Dach-Rechner, und Materialbedarf via Dachziegel-Rechner.