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Sommerlicher Wärmeschutz Rechner DIN 4108-2

Sonneneintragskennwert-Verfahren nach DIN 4108-2:2013-02 Abschnitt 8.3 raumweise — Klimaregion, Bauart, Nachtlüftung, F_C-Verschattung; Nachweis sommerlicher Wärmeschutz GEG §14 Pflicht für Neubau.

Gebäudeparameter

Räume (Repeater 1–10)

Gesamtbewertung sommerlicher Wärmeschutz
Räume erfüllt: 0/0 Bagatell: 0 S_zul:
F_C-Tabelle (DIN 4108-2 Tabelle 7) — Verschattungs-Referenz
VerschattungF_Cg_total bei g=0,60
ohne Sonnenschutz1,000,60
innen Vorhang/Rollo hell0,750,45
innen Jalousie geschlossen0,800,48
zwischen Scheiben Folie/Lamellen0,400,24
außen Markise hell0,300,18
außen Jalousie/Raffstore0,250,15
außen Rolladen geschlossen0,300,18

Außenliegender Sonnenschutz reduziert g_total etwa 4× stärker als Innenvorhänge.

Erweiterte Einstellungen — Disclaimer + Bagatell-Schwelle

Disclaimer: Dieser Rechner liefert eine vereinfachte Sensitivitätsanalyse aus DIN-4108-2-Logik. Für formellen Nachweis nach GEG §14 ist Profi-Software (DÄMMWERK / EVEBI / Hottgenroth / ZUB Helena) mit kompletter Tabelle 8 (S1–S6) zu nutzen — die exakten DIN-Tabellen-Werte sind urheberrechtlich geschützt.

Maßnahmen-Empfehlungen je Raum (bei Nichterfüllung)

Wenn ein Raum „nicht erfüllt" zeigt, wird hier eine konkrete Maßnahme mit Δ-Effekt vorgeschlagen.

Sonneneintragskennwert-Verfahren nach DIN 4108-2

Der Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes nach GEG §14 (für alle Neubauten Pflicht, Wohn- und Nichtwohngebäude) erfolgt nach DIN 4108-2:2013-02 Abschnitt 8.3 über das vereinfachte Sonneneintragskennwert-Verfahren. Geprüft wird raumweise:

Svorh = ΣFenster (AW,i · gtotal,i · korient,i) / AG ≤ Szul

Mit gtotal = g · FC (Verglasung × Verschattung), korient als relativer Sommer-Mittag-Strahlungsfaktor (Süd 1,0 → Nord 0,2) und AG = Nettogrundfläche des Raums. Der zulässige Wert Szul setzt sich aus sechs anteiligen Sonneneintragskennwerten (S1–S6 nach Tabelle 8) zusammen — Klimaregion, Bauart, Nachtlüftung, Fensterflächenanteil, Sonnenschutzglas, Orientierungs-Bonus.

Klimaregionen A, B, C nach DIN 4108-2 Bild 7

Deutschland ist in drei Sommer-Klimaregionen unterteilt. Maßgeblich ist das langjährige Höchstwert-Monatsmittel der Lufttemperatur — nicht die mittlere Jahrestemperatur:

Region A (kühl) — Höchstwert-Monatsmittel ≤ 16,5 °C, Reftem 25 °C
Norddeutsche Küste (Husum, Kiel, Norderney, Warnemünde, Arkona), Mittelgebirgs-Hochlagen (Hof, Lüdenscheid, Harzgerode, Freudenstadt) und Bayerische Voralpen (Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf).
Region B (mittel) — 16,5–18 °C, Reftem 26 °C
Überwiegender Teil Deutschlands (~70 %): Hamburg, Hannover, Köln, München, Stuttgart, Saarbrücken, Münster, Erfurt, Trier, Chemnitz, Berlin, Potsdam, Schwerin, Kassel, Passau, Essen.
Region C (heiß) — ≥ 18 °C, Reftem 27 °C
Flusstäler mit ausgeprägtem Sommer-Wärmestau: Oberrhein (Freiburg, Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe), Main (Frankfurt, Würzburg), Sachsen-Tief (Dresden, Leipzig, Wittenberg), Nürnberg, Geisenheim, Konstanz.

FC — warum außenliegende Verschattung viermal wirksamer ist als innen

Tabelle 7 der DIN 4108-2 listet die Abminderungsfaktoren FC nach Verschattungsart. Der bauphysikalische Hintergrund: außenliegender Sonnenschutz reflektiert/absorbiert die Solarstrahlung vor dem Glaseintritt — innen liegt die Wärme bereits im Raum, FC beschreibt nur noch die teilweise Rückreflexion durch die Scheibe.

Verschattung FC gtotal bei g = 0,60
ohne Sonnenschutz 1,00 0,60
innen Vorhang/Rollo hell 0,75 0,45
innen Jalousie geschlossen 0,80 0,48
zwischen Scheiben Folie/Lamellen 0,40 0,24
außen Markise hell 0,30 0,18
außen Jalousie / Raffstore 0,25 0,15
außen Rolladen geschlossen 0,30 0,18

→ Außen-Raffstore senkt den effektiven Solareintrag etwa stärker als ein Innen-Vorhang. Das ist die wichtigste Stellschraube wenn ein Raum den Nachweis nicht erfüllt — vor Glastausch oder Reduktion der Fensterfläche.

Bauart leicht / mittel / schwer — wirksame Wärmespeicherfähigkeit

Die Bauart entscheidet, wie viel Solarwärme der Raum tagsüber „zwischenspeichern“ und nachts wieder abgeben kann. Maßgebend ist die wirksame Wärmespeicherfähigkeit Cwirk/AG nach DIN V 18599-2:

Leichte Bauart — Cwirk/AG < 50 Wh/(m²·K)
Holzrahmenbau, Trockenbau-Wände/-Decken, abgehängte Decken, Innendämmung hinter Vorsatzschalen. Sehr empfindlich gegen Solareintrag — strengstes Szul.
Mittlere Bauart — 50 ≤ Cwirk/AG ≤ 150 Wh/(m²·K)
Stahlbeton-Decken plus massive Innen-/Außenbauteile mit mittlerer Rohdichte ≥ 600 kg/m³. Standard-Wohnungsbau in Deutschland.
Schwere Bauart — Cwirk/AG > 150 Wh/(m²·K)
Stahlbeton-Decke plus Vollziegel/Kalksandstein/Sichtbeton sichtbar (keine Vorsatzschale, keine abgehängte Decke). Höchstes Szul — beste Pufferwirkung.

Bagatellklausel — wann kein Nachweis nötig ist

Tabelle 6 der DIN 4108-2 verzichtet auf den Nachweis bei kleinem Fensterflächenanteil — eine Bagatellklausel für untergeordnete Räume:

  • ≤ 7 % bei geneigten Fensterflächen 0–60° (klassische Dachfenster)
  • ≤ 10 % bei Wand-Fenstern in Hauptorientierung Nordwest–Süd–Nordost
  • ≤ 15 % bei Nord-Wandfenstern und steilen Mansardenfenstern 60–90°

Die Schwelle bezieht sich auf AW,gesamt / AG,Raum. Beispiel: Schlafzimmer 15 m² mit 1 m² Nord-Fenster → 6,7 % < 10 % → kein Nachweis.

Worked Example — Glasfront West kritisch

Wohnzimmer 30 m² mit 12 m² West-Fensterfront, 2-fach Wärmeschutzglas (g = 0,60), keine Verschattung, Klimaregion B, mittlere Bauart, mit Nachtlüftung n ≥ 2 h⁻¹:

  1. gtotal = g · FC = 0,60 · 1,00 = 0,60
  2. korient,W = 0,60 (Nachmittag-Spitze)
  3. Svorh = (12 · 0,60 · 0,60) / 30 = 4,32 / 30 = 0,144
  4. Szul (B / mittel / mit Lüftung) ≈ 0,135
  5. 0,144 > 0,135 → Nachweis NICHT erfüllt (Überschreitung 7 %)

Maßnahme: Außen-Raffstore FC = 0,25 nachrüsten → gtotal = 0,15 → Svorh = (12 · 0,15 · 0,60) / 30 = 0,036. Erfüllt mit Faktor 3,75 Reserve. Glastausch (3-fach Wärmeschutz g = 0,50) hätte nur Svorh auf 0,12 reduziert — deutlich weniger wirksam als außenliegende Verschattung.

Häufige Fehler in der Praxis

Innen-Jalousie wird als Vollwert-Sonnenschutz eingerechnet
FC = 0,75–0,80 (innen) reduziert gtotal nur um 20–25 %. Für eine Süd-Glasfront in Klimaregion B reicht das selten. Außenliegende Lösungen (FC = 0,25–0,30) sind die einzige robuste Maßnahme — Raffstore, Markise, Rolladen.
Sonnenschutzverglasung als Allheilmittel
g ≤ 0,40 reduziert solare Gewinne auch im Winter um etwa 35 % — Heizenergiebedarf steigt. Außenliegende, im Sommer aktive Verschattung ist meist die wirtschaftlichere Wahl, weil sie im Winter geöffnet bleibt.
Speichermasse vergessen — leichte Bauart unterschätzt
Holzrahmenbau / Trockenbau hat bis 50 % strengeres Szul als massive Bauart. Wer in Holzbau plant, muss früh Außenverschattung mitdenken — Innendämmung hinter Vorsatzschale verschärft das Problem zusätzlich (Speichermasse wird vom Raum abgekoppelt).
Bagatellklausel falsch angewendet
10 %-Schwelle gilt für die Wand-Hauptorientierung NW–S–NO. Bei steilen Süd-Dachfenstern (0–60° Neigung) sind nur 7 % zulässig — wer das versäumt, kann den Bagatell-Status verlieren.

Differenz dieser Rechner vs. formaler DIN-Nachweis

Die DIN 4108-2 Tabelle 8 mit den exakten S1–S6-Zahlenwerten ist urheberrechtlich geschützt und nicht frei publiziert. Dieser Rechner verwendet eine vereinfachte, transparent dokumentierte Implementation der DIN-Logik (Klimakorrektur ±0,012, S3-SSG-Bonus +0,03, Orientierungs-Reduktion in Svorh nach VDI-2078-Konvention) und liefert eine plausible Größenordnung mit Sensitivitätsanalyse. Für den formellen bauaufsichtlichen Nachweis ist Profi-Software (DÄMMWERK, EVEBI, Hottgenroth, ZUB Helena) erforderlich — dort sind die exakten DIN-Tabellen-Werte und die thermische Gebäudesimulation nach Abschnitt 8.4 hinterlegt.

Häufige Brief-Irrtümer korrigiert (2026-05-10):

  • Bauart-Cwirk-Klassen: 50–150 Wh/(m²·K) für mittel (verifiziert ZUB / EVEBI / Wikipedia), nicht 50–130 wie in vielen Kurzdarstellungen.
  • Hamburg und Köln liegen in Klimaregion B (mittleres Höchstwert-Monatsmittel 16,5–18 °C), nicht in A. Frankfurt und der Oberrhein-Graben liegen in C (≥ 18 °C), nicht in B.

Ergänzend zum Sommer-Nachweis: Kühllast-Berechnung nach VDI 2078 für die Klimagerät-Auslegung wenn Verschattung allein nicht reicht; U-Wert Außenwand für die transmissionsseitige Begrenzung von Wärmeeintrag im Sommer; Taupunkt / Glaser-Verfahren für den winterlichen Diffusions-Nachweis nach DIN 4108-3 — Sommer- und Winter-Bauphysik müssen gemeinsam betrachtet werden, sonst optimiert man eine Saison auf Kosten der anderen.