Start Nicht kategorisiert Schornstein-Querschnitt-Rechner – DIN EN 13384-1 Innendurchmesser & 1.BImSchV §19

Schornstein-Querschnitt-Rechner – DIN EN 13384-1 Innendurchmesser & 1.BImSchV §19

Schätzt den Innendurchmesser für Kaminofen, Pelletkessel oder Brennwertgerät aus Heizleistung, wirksamer Höhe und Bögen-Anzahl, mit Klassen-Empfehlung nach DIN EN 1443 und Mündungs-Check nach 1.BImSchV §19.

Anlagen-Eingaben

Bestimmt empfohlene Klasse (DIN EN 1443) und Tabellen-Stufe für den Innendurchmesser. Aus Geräte-Typenschild oder Datenblatt. Kaminöfen typ. 5–10 kW, Pelletkessel 8–25 kW, Festbrennstoff-Kessel 15–40 kW.
Zwischen Achse Abgaseinführung und Mündungsoberkante. Mindestens 4,5 m für Festbrennstoff-Anlagen. Jeder 90°-Bogen wirkt wie ~1 m wirksame Höhen-Reduktion. 45°-Bögen zählen als ½. Schornstein-Innen-Ø darf nicht kleiner als der Geräte-Stutzen sein. "auto" wählt typischen Wert je Brennstoff.
Empfohlener Innendurchmesser
mm
Querschnitt: cm² Wirks. Höhe: m Förderdruck (Schätzung): ~ Pa
DIN EN 1443: —

Anlagen-Check

Mindesthöhe … ≥ 4,5 m
Anschluss-Stutzen vs Innen-Ø … Innen ≥ Stutzen
Förderdruck-Schätzung … ≥ 12 Pa (Festbrennst.)
— Eingaben werden ausgewertet …

1.BImSchV §19 Mündungs-Check (Festbrennstoff seit 2022)

Festbrennstoff seit 1.1.2022: ≥ 0,40 m über First (Firstnah-Definition: vertikaler Abstand > horizontaler Abstand zum First). ≤ 50 kW: Mündung ≥ 1 m über Fenster-/Lüftungsöffnung-Oberkante in 15 m Radius. +2 m je weitere 50 kW (Radius).
Mündung über First ≥ 0,40 m
Abstand Fenster-Oberkante ≥ 1,00 m / 15 m

Hinweis: §19 1.BImSchV gilt seit 1.1.2022 für neue Festbrennstoff-Anlagen. Brennwertgeräte (Gas/Öl) sind separat geregelt — Mündungs-Vorschriften milder.

Schornstein-Aufbau (Schnitt schematisch)

First → First ≥ 0,40 m Ofen Innen-Ø: 140 mm H: 7,0 m Mündung

Schematisch; Wirksame Höhe H = Achse Abgaseinführung bis Mündung-Oberkante.

Erweiterte Einstellungen (Klasse-Code, Witterung, Russbrand)
Brennwertgeräte produzieren Kondensat → W-Klasse zwingend. D + G immer zusammen, W + O immer zusammen (DIN EN 1443). Festbrennstoff-Anlagen müssen russbrand-beständig sein (G); Brennwert hat keinen Russ → O.
DIN-EN-1443-Klassen-Tabelle und Querschnitt-Übersicht

Klassen-Code-Aufbau (Beispiel: T400/N1/D/3/G50)

CodeBedeutungWerte
TTemperaturklasse (max. Abgas-T)T080…T600 (z.B. T400 = bis 400 °C)
N/PDruckklasseN1/N2 Naturzug, P1/P2 Überdruck (Brennwert)
D/WFeuchtigkeitsklasseD trocken (Holz/Öl), W feucht (Brennwert)
1/2/3Korrosionsbeständigkeit1 Gas, 2 Öl/Pellet, 3 Holz
G/ORussbrand-BeständigkeitG + Abstand zum brennbaren Material in mm (z.B. G50), O nicht beständig

Wichtig: Der ausgegebene Innen-Ø ist eine Hersteller-Tabellen-Schätzung (Schiedel ICS, Tona, Plewa, Jeremias). Die finale Querschnitt-Berechnung nach DIN EN 13384-1 macht der Bezirks-Schornsteinfeger; diese Schätzung liefert nur Vorab-Orientierung für Angebotsanfrage und Planung.

Worked Example: Kaminofen 8 kW Holz, Schornstein 7 m, 1 Bogen

Eingaben: Heizleistung 8 kW, Brennstoff Scheitholz (Kaminofen), wirksame Höhe 7 m, 1 90°-Bogen im Verbindungsstück.

  1. Hersteller-Tabellen-Lookup für Holz-Kaminofen, Stufe 7–10 kW: Innendurchmesser 140 mm (Median Schiedel ICS, Tona, Plewa, Jeremias).
  2. Höhen-Korrektur: 7 m > 6 m → keine Aufschlagstufe.
  3. Bögen-Korrektur: 1 Bogen ist Standard-Annahme der Tabelle → keine Aufschlagstufe.
  4. Effektive Höhe: 7 m − 1·1 m = 6 m; geschätzter Förderdruck ≈ 6 × 2,4 Pa/m = 14,4 Pa (≥ 12 Pa = ausreichend).
  5. Klasse nach DIN EN 1443: T400/N1/D/3/G50 (Holz, Russbrand-beständig, Trocken-Kondensat, Abstand 50 mm zu brennbarem Material).
  6. 1.BImSchV §19 (seit 1.1.2022): Mündungshöhe Firstnah und ≥ 0,40 m über First; ≥ 1 m über Fenster-Oberkante in 15 m Radius.

Ergebnis: Innen-Ø 140 mm, Klasse T400/N1/D/3/G50, geeignet für 1.BImSchV-konformen Anschluss vorausgesetzt Mündungs-Lage stimmt.

DIN EN 13384-1 — was die Norm wirklich verlangt

DIN EN 13384-1 (zuletzt 2024 aktualisiert) beschreibt das iterative thermo-strömungstechnische Berechnungsverfahren für Abgasanlagen. Geprüft werden vor allem zwei Bedingungen: Druckbedingung (statischer Auftrieb minus Strömungswiderstand muss positiv sein) und Temperaturbedingung (Abgastemperatur an der Mündung darf nicht unter Taupunkt fallen, sonst Versottung). Eine geschlossene Faustformel im Sinn von q × √H × Brennstoff-Faktor existiert in DIN EN 13384-1 nicht — sie wird in Foren und auf Hersteller-Sites zitiert, aber nicht durch die Norm gedeckt. Akzeptierte Vorab-Schätzung erfolgt über Hersteller-Tabellen (Schiedel, Tona, Plewa, Jeremias). Verbindlich ist nur die Schornsteinfeger-Berechnung mit zertifizierter Software.

DIN-EN-1443-Klassen-Code erklärt

T-Klasse (Temperatur)
T080 bis T600. Maximale Abgastemperatur. Brennwert-Geräte: T200. Holz/Pellet: T400. Großfeuerung/Industrie: T600.
N/P-Klasse (Druck)
N1/N2 für Naturzug-Anlagen (Festbrennstoff), P1/P2 für Überdruck (Brennwert raumluft-unabhängig). H-Klasse für Hochdruck (selten).
D/W-Klasse (Feuchte)
D = Trockenbetrieb, Abgastemperatur über Taupunkt. W = Feuchtbetrieb, Kondensat fällt regelmäßig an. Brennwertgeräte erfordern zwingend W, weil Wasserdampf im Abgas kondensiert.
Korrosionsklasse 1/2/3
1 für Gas, 2 für Öl/Pellet (Schwefel im Brennstoff), 3 für Holz (Säuren aus Holzasche).
G/O-Klasse (Russbrand)
G + Abstand in mm (z.B. G50, G100) = russbrand-beständig, Mindest-Abstand zu brennbarem Material. O = nicht russbrand-beständig, nur für Brennwert ohne Russ-Risiko. Pflichtkombinationen: D + G zwingend zusammen, W + O zwingend zusammen — D mit O wäre Sicherheits-Widerspruch.

1.BImSchV §19 Mündungs-Pflichten (Festbrennstoff seit 1.1.2022)

Die novellierte 1. Bundes-Immissionsschutzverordnung verschärft die Ableitbedingungen für neu errichtete Festbrennstoff-Feuerungen seit 1.1.2022 deutlich. Pflichten:

  • Mündung Firstnah: vertikaler Abstand zum First muss größer sein als der horizontale Abstand zum First.
  • ≥ 0,40 m über First: Schornstein-Mündung muss mindestens 40 cm über die Firstoberkante hinausragen.
  • ≥ 1 m über Fenster-Oberkante in 15 m Radius: bei Anlagen ≤ 50 kW. Der Radius vergrößert sich um 2 m je weitere 50 kW (max. 40 m).
  • Abweichung nur nach Einzelfallnachweis nach VDI 3781 Bl. 4 (07/2017) Abschnitt 6.2.1 — Ausbreitungsrechnung des Bezirksschornsteinfegers.

Brennwertgeräte (Gas, Öl) sind nicht von §19 betroffen — sie sind Überdruck-Anlagen mit niedriger Abgastemperatur und werden über DIN 18160 / Mehrfachbelegungs-Regeln separat behandelt.

1.BImSchV §13/§14 — Stilllegungs-Frist 31.12.2024 für Altanlagen

Die letzte Übergangsfrist endete am 31. Dezember 2024. Betroffen alle Kaminöfen mit Typenprüfung 1995 bis 21.03.2010. Seit 1.1.2025 müssen sie Grenzwerte 0,15 g/m³ Feinstaub und 4 g/m³ CO einhalten — sonst Nachrüstung (Feinstaubfilter), Tausch gegen BImSchV-Stufe-2-Gerät passend zur Heizlast-Schätzung oder dauerhafte Stilllegung. Bestandsschutz: handwerklich gesetzte Grund-/Kachelöfen und historische Öfen vor 1950.

Mehrfachbelegung — was geht, was geht nicht

Brennwertgerät und Einzelraumfeuerstätte (Kaminofen, Pelletofen) am gleichen Schornstein-Zug ist verboten. Das Brennwertgerät arbeitet mit niedriger Abgastemperatur und Kondensat-Bildung; eine offene Festbrennstoff-Feuerstätte würde Rückstrom-Risiken erzeugen und Russ in der W-Edelstahl-Innenröhre ablagern. Wenn beide Wärmequellen bestehen sollen, braucht es zwei separate Schornstein-Züge — entweder zweischaliger Schornstein oder kompletter Edelstahl-Außenschornstein-Zubau.

Häufige Irrtümer

Mythos «DIN EN 13384-1 hat eine einfache Faustformel q×√H» — Falsch. Die Norm beschreibt iterative Druck- und Temperatur-Bilanzen. Die Faustformel kursiert in Foren, ist nicht normgedeckt und nur Vorab-Orientierung.

Mythos «Größerer Querschnitt = besserer Anzug» — Falsch. Übergroßer Querschnitt führt zu langsamer Strömung, niedriger Mündungs-Temperatur und Versottung. Querschnitt muss passen, nicht maximiert sein.

Mythos «§19 gilt erst ab 50 kW» — Falsch. Firstnah-Pflicht und 0,40-m-Regel gelten für alle neu errichteten Festbrennstoff-Anlagen seit 1.1.2022. Die 50-kW-Schwelle bezieht sich nur auf den 15-m-Radius für Fenster-Abstände.

Verwandte Rechner

Vorbereitend ist die Heizlast-Schätzung überschlägig für die Auswahl der Heizleistung sinnvoll, oder bei Sanierungsbau die detaillierte Heizlast nach DIN EN 12831. Bei Pelletkessel-Auslegung lohnt zusätzlich die Pufferspeicher-Auslegung, weil Festbrennstoff-Kessel und Pelletkessel praktisch immer mit Pufferspeicher betrieben werden. Wer eine Bestands-Heizung tauscht, prüft mit dem GEG-Heizungs-Tauschfrist-Rechner die Pflicht-Stichtage nach Gebäudeenergiegesetz.