Restkapazität des Hausanschlusses für eine Wallbox berechnen — bei laufender Wärmepumpe oder anderen Großverbrauchern. Inklusive §14a EnWG Modul-Vergleich und VNB-Anmeldepflicht.
Hausanschluss
Berechnung: 3 × I × 230 V (Drehstrom). Steht auf der NH-Sicherung im HAK; Hausanschluss-Vertrag.Wallbox
Parallele Verbraucher (gleichzeitig zur Ladung)
§14a EnWG — Modul-Vergleich (Modul 1 vs 2 vs 3)
Modul 3 setzt ein intelligentes Messsystem (iMSys) voraus — 2026 noch nicht flächendeckend verfügbar. Wert hier nur Schätzung (typ. ähnlich Modul 2 bei dynamischer Tarif-Optimierung).
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Berechnungs-Details (Formel)
Hausanschluss-Maximalleistung: PHAK = 3 × I × U × (1 - Reserve%)
Beispiel 35 A · 230 V · 5 % Reserve: 3 × 35 × 230 × 0,95 = 22,9 kW
Restkapazität für Wallbox: PWallbox = PHAK − ΣPparallel
§14a-Mindestbezug: garantiert 4,2 kW selbst bei vollständiger Drosselung (Bundesnetzagentur).
Modul 2 Ersparnis: Wallbox-kWh × Arbeitspreis × 60 % (= 40 % Arbeitspreis bezahlen).
Anmelde-Schwelle: ≤ 11 kW Anmeldung (§19 NAV); > 11 kW Genehmigungspflicht.
Eine Wallbox mit 11 kW lastet einen 35-A-Hausanschluss bereits zur Hälfte aus. Kommt eine Wärmepumpe oder ein Durchlauferhitzer zeitgleich hinzu, kann die HAK-Sicherung auslösen — oder die Wallbox lädt nur noch mit reduzierter Leistung. Der Rechner zeigt für die individuelle Konfiguration, was nach Abzug paralleler Großverbraucher als Restkapazität für die Wallbox übrig bleibt — und ob ein statisches Lastmanagement (SLM) genügt oder ein dynamisches Lastmanagement (DLM) nötig ist.
Hausanschluss-Standardgrößen in Deutschland
Ein Hausanschluss wird durch die Absicherung im Hauptanschlusskasten (HAK) charakterisiert. Bei Drehstrom mit 230 V pro Phase ergibt sich:
| HAK-Sicherung | Maximalleistung | typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 3 × 25 A | 17,3 kW | Altbestand, kleine Wohnungen |
| 3 × 35 A | 24,2 kW | Standard-Einfamilienhaus |
| 3 × 50 A | 34,5 kW | verstärkter Anschluss (WP + Wallbox) |
| 3 × 63 A | 43,5 kW | große EFH, kleines Mehrfamilienhaus |
Die meisten Bestandshäuser haben 3 × 35 A. Eine Verstärkung auf 50 A kostet beim Verteilnetzbetreiber (VNB) typisch 1.500–4.000 € — abhängig von Trassenlänge und Hausanschlusskasten-Zustand.
§14a EnWG seit 01.01.2024 — was steuerbar bedeutet
Seit dem 1. Januar 2024 gilt: Wallboxen mit einer Leistung über 4,2 kW müssen nach §14a EnWG netzdienlich steuerbar sein. Das heißt: Der Verteilnetzbetreiber darf bei lokaler Netzüberlastung die Ladeleistung temporär drosseln — aber niemals unter 4,2 kW Mindestbezug. Komplettes Abschalten ist verboten.
Im Gegenzug erhält der Anschlussnehmer eine Reduktion des Netzentgelts nach Wahl aus drei Modulen:
- Modul 1 — Pauschalrabatt
- Fester Jahresrabatt zwischen 110 und 190 € (brutto), je Netzbetreiber. Bundesmittel laut Bundesnetzagentur ca. 165 €. Verbrauchsunabhängig.
- Modul 2 — 60 % Rabatt auf Arbeitspreis
- Der Arbeitspreis-Anteil des Netzentgelts wird um 60 % reduziert. Bei 9 ct/kWh Arbeitspreis und 3.000 kWh Wallbox-Energie ergibt das 162 € Ersparnis pro Jahr.
- Modul 3 — Zeitvariables Netzentgelt
- Setzt ein intelligentes Messsystem (iMSys) voraus und kombiniert sich mit Modul 1. Niedertarif-Stunden ergeben weitere Ersparnis. 2026 noch nicht flächendeckend verfügbar — nicht alle Haushalte haben einen iMSys-Pflicht-Rollout abgeschlossen.
Häufiger Irrtum: «Modul 2 senkt das gesamte Netzentgelt um 60 %.» Falsch — nur der Arbeitspreis-Anteil wird reduziert; der Grundpreis-Anteil bleibt unberührt. Das ändert je nach Netzgebiet die Wirtschaftlichkeit deutlich.
Anmeldung oder Genehmigung beim Netzbetreiber?
Nach §19 NAV (Niederspannungsanschlussverordnung) gilt:
- Bis 11 kW: einfache Anmeldung beim VNB. Der Netzbetreiber hat 2 Monate Widerspruchsrecht; ohne Reaktion gilt die Wallbox als angemeldet.
- Über 11 kW (z. B. 22 kW): Genehmigungspflicht. Installation darf erst nach schriftlicher Zustimmung beginnen. VNB darf bei Netzengpass ablehnen oder Drosselung auf 11 kW vorschreiben.
Eine 22-kW-Wallbox lohnt sich selten für Privat-EFH: PKW-Onboard-Lader sind meist auf 11 kW begrenzt, und der höhere Anschlussstrom (32 A statt 16 A pro Phase) verstärkt das Lastmanagement-Problem zusätzlich.
SLM vs DLM — Unterschied in der Praxis
Statisches Lastmanagement (SLM) setzt eine feste maximale Wallbox-Leistung — z. B. «nie über 9 kW laden», unabhängig vom Hausverbrauch. Einfach, günstig, ausreichend wenn die Restkapazität klar über der Wallbox-Soll-Leistung liegt.
Dynamisches Lastmanagement (DLM) misst den Hausverbrauch über einen Zähler-Sensor und passt die Ladeleistung sekundenschnell an. Notwendig, wenn z. B. der Hausanschluss bereits durch Wärmepumpe + Haushaltslast knapp wird und die Wallbox bei abendlichen Lastspitzen automatisch zurückfahren muss, statt die HAK-Sicherung auszulösen.
Faustregel: Reserve ≥ 1,5× Wallbox-Soll-Leistung → SLM reicht. Sonst lohnt sich DLM (Aufpreis 200–600 € je nach Hersteller; Sensor-Modelle: go-e Charger, ABL eMH3, Wallbox Pulsar Plus mit Power Boost, Mennekes Amtron Charge Control).
Beispielrechnung — 35 A EFH mit Wärmepumpe
- Hausanschluss 3 × 35 A × 230 V = 24,2 kW theoretisch (mit 5 % Reserve: 22,9 kW nutzbar).
- Wärmepumpe Luft-Wasser, 8 kW therm bei A-7/W35: el. Aufnahme typ. 4 kW.
- Haushalts-Grundlast abends mit Backofen + Beleuchtung: 3 kW.
- Restkapazität: 22,9 − 4 − 3 = 15,9 kW.
- Wallbox 11 kW: volle 11 kW möglich. Reserve 4,9 kW (15,9 ÷ 11 = 1,45 < 1,5) → DLM empfohlen, da Spitzen wie Wäschetrockner (2,5 kW) zusätzlich kommen können.
Würde dasselbe Haus zusätzlich noch eine 6-kW-Speicherheizung betreiben, sänke die Restkapazität auf 9,9 kW — die Wallbox müsste bereits gedrosselt laden. Hier zeigt sich der Wert des §14a-Mindestbezugs: selbst bei voller Drosselung sind 4,2 kW garantiert, also weiter Laden möglich (langsamer, aber stetig).
Häufige Fehler bei der Hausanschluss-Bewertung
- Phasenschiefe ignoriert. Eine 11-kW-Wallbox lädt 3-phasig symmetrisch, aber Haushaltsgeräte (Backofen, Wasserkocher) belasten oft nur 1 Phase. Die HAK-Sicherung löst pro Phase aus — eine schief belastete Phase kann auslösen, obwohl die Gesamtleistung passt.
- Selektivität HAK vs. Zählervorsicherung. Bei Bestandshäusern ist die NH-Sicherung im HAK manchmal größer als die Zählervorsicherung — entscheidend ist die kleinere Sicherung.
- Gleichzeitigkeitsfaktor unterschätzt. Wallbox + Wärmepumpe + Durchlauferhitzer laufen statistisch selten gleichzeitig — aber wenn doch, kommt es zur Auslösung. Worst-Case-Annahme ist sicherer als Mittelwert.
- Modul-1-Pauschal vs Modul-2 nie gerechnet. Wer wenig lädt (Pendler ≤ 2.000 km/Jahr) bekommt mit Modul 1 oft mehr als mit Modul 2. Die Wahl bleibt jährlich änderbar.
Verwandte Berechnungen
Vor der Wallbox-Anschaffung sollte die überschlägige Heizlast nach DIN EN 12831 (Hüllflächenverfahren) bekannt sein, da die Wärmepumpen-Aufnahme direkt davon abhängt. Wer die Wallbox aus dem Eigenverbrauch der Photovoltaik laden will, ergänzt mit einem Pufferspeicher-Rechner für die Wärmepumpe die thermische Speicherauslegung — der Pufferspeicher entkoppelt PV-Stromüberschuss von der Heizleistung. Für die Kühllast nach VDI 2078 in den Sommermonaten kann ebenfalls eine zusätzliche Hausanschluss-Belastung entstehen, wenn eine Klima-Splitanlage nachgerüstet wird — typisch 1–3 kW elektrisch je 5 kW Kühlleistung.